Wasseranalytik

Trinkwasser

Trinkwasser wird definiert als Wasser für den menschlichen Gebrauch. Dazu zählt neben dem Verzehr auch die Nutzung für die Körperhygiene oder das Spülen von Geschirr. Eine gleichbleibende Qualität und die Überwachung der Bereitstellung sind daher zentrale Themen unserer Gesellschaft. Gesetzlich geregelt wird dies durch die Trinkwasserverordnung, die hohe Ansprüche an die Qualität unseres Trinkwassers stellt.

Eine Analyse kann sich sowohl auf die chemisch-physikalischen Eigenschaften sowie auch die mikrobiologische Belastung erstrecken. Gemäß § 14 der Trinkwasserverordnung muss die Untersuchungsstelle direkt durch den Unternehmer oder sonstigen Inhaber einer Wasserversorgungsanlage beauftragt werden. Die Probenahme ist ein fester Bestandteil dieser Beauftragung. Die Trinkwasserverordnung regelt Überwachungszeiträume, Parameter und Grenzwerte für die Analyse von Trinkwasser.

Ein Junge trinkt Wasser aus einem Wasserhahn

Legionellen

Legionellen sind Bakterien, die in der Umwelt weit verbreitet sind und sich in unseren Wasserleitungen ansiedeln können. Besonders im Warmwasserbereich zwischen 25°C und 50°C vermehren sie sich sehr gut. Sie bilden im Leitungssystem eine natürliche Schutzschicht, den sogenannten Biofilm. Eine Desinfektion betroffener Stellen wird dadurch erschwert.

Nicht selten bleibt ein Teil dieses Biofilms zurück und kann zu einer erneuten Kontamination des Systems führen. Die Infektion mit Legionellen erfolgt über die Atemwege, wenn Legionellen-haltiges Wasser zerstäubt wird. Die sogenannte Legionellose tritt in zwei verschiedenen Krankheitsbildern auf. Die Legionärskrankheit führt zu einer schweren Lungenentzündung, mit einer Sterblichkeitsrate von 10 – 15 %. Das Pontiac-Fieber verläuft dagegen leichter und ähnelt den Symptomen einer Grippe. Besonders von einer Ansteckung gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Eine Frau unter der Dusche

Seit dem 01.11.2011 sind Warmwasserversorgungsanlagen regelmäßig auf den Parameter Legionellen zu untersuchen. Kommt ein Hauseigentümer den Überwachungspflichten nicht nach, kann dies zu Bußgeldstrafen führen. Im Falle eines Legionellen-assoziierten Krankheitsfalles kann er dafür zivilrechtlich oder sogar strafrechtlich belangt werden. Im Falle eines positiven Legionellenbefundes, ist die Untersuchungsstelle dazu verpflichtet, das Ergebnis der Laboranalyse dem zuständigen Gesundheitsamtes zu melden.

Wasserversorgungsanlagen mit einem Warmwasserspeicher von mehr als 400 Liter oder einem Inhalt von mehr als 3 Liter in der längsten Rohrleitung fallen unter diese Beprobungspflicht. Durchfluss-Erwärmer müssen ebenfalls regelmäßig beprobt werden, wenn zwischen dem Erwärmer und der entferntesten Entnahmestelle ebenfalls 3 Liter Wasser in der Rohrleitung enthalten sind.

Öffentliche und gewerbliche Einrichtungen

Für den Parameter Legionellen gilt gemäß § 14b der TrinkwV eine Untersuchungspflicht für Wasserversorgungsanlagen, die im Rahmen einer öffentlichen oder gewerblichen Tätigkeit, Trinkwasser zur Verfügung stellen, das in einer Großanlage erwärmt und aus Duschen oder anderen Einrichtungen, bei denen das Wasser vernebelt werden kann, abgeben wird.

Für sensible Bereiche wie Kindertagesstätten und Pflegeheimen gibt es zusätzlich regelmäßige Untersuchungspflichten des Kaltwassers, die in Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt festgelegt werden.

Brunnenwasser zur Eigenversorgung

Liegenschaften, die nicht an der öffentlichen Wasserversorgung angeschlossen sind, werden als Eigenversorgungsanlagen bezeichnet. Diese Liegenschaften beziehen ihr Wasser aus Brunnen oder anderen Gewässern. Wird dieses Wasser als Trinkwasser verwendet, muss die Qualität den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entsprechen. Das zuständige Gesundheitsamt überwacht diese Anlagen und fordert regelmäßige Untersuchungen, um die Qualität zu gewährleisten.

Ein Brunnen mit Wasserzulauf

Kühl- und Prozesswasser

Nicht nur durch das Trinkwasser können pathogene Bakterien in unsere Umwelt und in den Organismus gelangen. Auch durch die Verdunstung von Wasser in Kühlanlagen von Industriebetrieben können Aerosole freigesetzt werden, die Legionellen enthalten. Daraus können großflächige Ausbrüche von Legionellen-assoziierten Krankheiten resultieren. Prominente Beispiele, wie z.B. der Ausbruch in Warstein 2013 haben gezeigt, dass die Überwachung von Verdunstungskühlanlage eine zentrale Rolle spielt, um Infektionen mit Legionellen zu vermeiden.

Mit der Veröffentlichung der 42. Bundesimmissionsschutzverordnung (42. BImschV) wurde eine Meldepflicht für die Betreiber von Verdunstungskühlanlagen bei den zuständigen Behörden formuliert. Daraus resultieren regelmäßige mikrobiologische Probenahmen und Analysen, durch dafür akkreditierte Labore.

Schwimm- und Badebeckenwasser

Die sachgemäße Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser muss regelmäßig geprüft werden, um die Sicherheit der badenden Gäste zu gewährleisten. Der Einsatz von Chlor soll eine Ausbreitung von Bakterien verhindern, kann aber bei einer zu hohen Konzentrierung auch schädlich sein. Eine zu geringe Konzentration dagegen sorgt dafür, dass Krankheitserreger sich vermehren und es zu Durchfallerkrankungen, oder im Bereich von Whirlpools zum Freisetzung von Legionellen, kommen kann. Eine regelmäßige Analyse im Labor verringert diese Gefahren.

Eine Familie badet im Freibad